Rückblick

Cheese Berlin 2017

Wir waren Cheese! Wir, das waren Schäfer, Bauern und Käser von Brandenburg übers Toggenburg bis Anatolien, Händler und Affineure von Berlin über Antwerpen bis London, und ebenso wichtig: Verkoster, Genießer, Interessierte von ebenso weit her. Zusammen haben wir die Markthalle Neun mit Käse gefüllt, mit den Menschen und ihren Geschichten, mit köstlichem Brot zum Käse, Brettern, um ihn zu schneiden, Taschen, um ihn zu tragen. Haben Kinder Butter schütteln und Quark anrühren lassen, sie zu Schafen und Ziegen geschminkt. Haben Wein und Craft Beer zum Käse getrunken und haben ein Fenster zum Hof Marienhöhe geöffnet. Einfach großes Käse-Kino! Wie danken Euch allen, die Ihr dabei wart.

Im Fokus standen in diesem Jahr die Käse der alpen und so ging es passenderweise am Freitagabend los mit dem Heinzelcheesekino – eine Premiere: Zuerst wurde im Eiszeit-Kino der Film „Urkäse“ aus der Reihe „Kulinarisches Erbe der Alpen“ an, der uns direkt in die Sennereien hoch in den Alpen führte, dann wurden in der Markthalle Neun zusammen mit dem Filmemacher und kulinarischen Alpen-Kenner Dominik Flammer eben diese Käse verkostet.
Es gab Bloderkäse frisch und gereift von Thomas Stadelmann aus Toggenburg, Surakees von Daniel Mangeng aus dem Montafon, Ahrntaler Graukäse vom Mittermaierhof und Ziegen-Graukäse von Goasroascht aus Sand in Taufers/Südtirol sowie Mascarplin von der Sennerei Sufers und Glarner Schabziger aus Graubünden. Selbstverständlich mit flüssiger Begleitung und eine sehr intensive, inter-alpine Diskussion.

Viele Händler sind in diesem Jahr für ein langes Käsewochenende auf dem Wochenmarkt in der Markthalle angereist. In zwei Heinzelcheesetalks gab Ursula Heinzelmann eine Einführung und Orientierungshilfe in die Welt der Bergkäse. Gewandert wurde von Alpe zu Alpe (Helmingen, Loch, Untere Falz, Obere Falz, sämtlich im Bregenzerwald), dann ein Abstecher ins Allgäu zur Sennerei Lehern gemacht, von wo aus es ins Tal der Emme und schließlich mit dem Mängisch von Jamei in die französische Schweiz ging.
Danach war es uns eine große Ehre, neben Dominik Flammer auch Willi Schmid, den großen Star der Schweizer Käseszene und seine großartigen Kreationen willkommen zu heißen. Unterstützt von Georg Weishäupl von Peppikäse und Dieter Gwosdz von Schweizerweine hat er uns einen Einblick in das Leben eines Käsers gegeben und an seinem enormen Wissen und seiner Erfahrung teilhaben lassen. Mitgebracht hat er Caprinello („Pecorino“ aus Ziegenmilch), Ziegen-Reblochon, Bergmatter und Weisen Büffel mitgebracht, in Fichtenringen gereifte Käse aus Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch sowie Blauschimmelkäse aus Jersey- und Büffelmilch.

Genauso schweizerisch ging es Sonntag in den großen Markttag, mit dem ersten Cheesetalk in der Weinbar Gallina: Konrad Heusser von Mundig hat eine Auswahl von weichen Bergkäsen aus der Schweiz zusammengestellt und weihte uns in Hintergründe und Zusammenhänge ein. Ebenso beeindruckend waren die Naturweine aus dem Jura, die Holger Schwarz von Viniculture höchstpersönlich einschenkte und kommentierte – einige großartige Kombinationen:
Von Michel Béroud aus Rougemont/Waadt kamen Dzorette, Tomme Fleurette und K-Ré, von der Fromagerie Le Sapalet aus Rossinière/Waadt ein Schafsbrie. Florian Spielhofer aus St. Imier im Jura war mit dem Oeil de Crosin dabei, steckte aber auch zusammen mit Agnès Béroud hinter dem Le Galait. Dann gab es Nufener Mutschli aus Graubünden, Vacherin Mont d’Or von Les Charbonnières/Waadt und zum Schluß von Maria Mayer aus Andeer den Arve, mit Fichtenspitzen. Ganz sonntäglich erlebten wir im Glas Cremant du Jura, GPS und Chardonnay “A la Percenette“ und Cellier de Chartreux der Domaine Pignier und den Pinot Noir der Domaine les Dolomies, aus der Magnum. Sternstunde.

Ganz praktisch ging es hingegen bei Melanie Kröber von Neal’s Yard Dairy aus London zu, die sich zum Thema Käse verpacken und aufbewahren nicht nur Gedanken gemacht, sondern auch Experimente durchgeführt hatte, und uns mittels Holzattrappen tatkräftig den French Fold üben ließ, gestärkt von Käse und Wein, letzterer aus Portugal von Maître Philippe. Ganz „nebenbei“ erlebten wir Kirkham’s Lancashire, Hafod, Langres und Stichelton, Vinho Verde Quinta do Ameal, Conceito Bastardo, Evidéncia Clos Lapeyre und Portwein LBV von Rita Marques Ferreira…

Und schließlich – grande Finale, mit Tusch und Extra-Tusch. Unsere Gäste aus Anatolien, İlhan Koçulu, Lale Küseyrioğlu und Buket Ulukut, einige der besten türkischen Käser, präsentierten uns höchstpersönlich ihre Käse. Mastermind hinter diesem wunderbaren Moment der Völkerverständigung war die großartige, unermüdliche Gamze Ineceli, die übersetzte und kommentierte, während Sabiha Apaydın vom Restaurant Mikla in Istanbul die Weine von Kayra, Suvla, Sevilen, Shiluh, Chamlıja und Udo Hirsch präsentierte…
Und das waren nur die Heinzelcheesetalks! Hier findet Ihr eine Liste aller Aussteller und hier vor allem auch mehr zu unserem neuen Cheese Berlin Ehrenpreis, Fenster zum Hof – der in diesem Jahr an den Hof Marienhöhe bei Bad Saarow ging und von Katharina Goldammer, die langjährige Käserin des Hofes, am Samstagabend persönlich entgegengenommen wurde.
Nächstes großes Käsetreffen: Cheese Berlin 2018, vom 2. bis 4. November.